Nante Berlin

Berliner Geschichtenwegweiser

Mit dem Schlauchboot durch das Humboldtforum

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Blüht dem im Bau befindlichen Stadtschloss das gleiche Schicksal wie dem Palast der Republik? Einige Parallelen deuten darauf hin.

Poster-Palast der Republik

Die Illusion des Schlüterhofs im Rohbau des Stadtschlosses

Vor einigen Wochen bin ich zufällig an der Baustelle des Stadtschlosses vorbeigeradelt als dort Tag der offenen Tür war. Obwohl ich eine grundsätzliche Abneigung gegenüber dem Neubau hege, habe ich mir den Rohbau bei dieser Gelegenheit angeschaut. Beim Gang durch die halbfertigen Innenhöfe war es dann aber gleich wieder da, dieses Gefühl, dass den Leuten mit diesem Schloss etwas vorgegaukelt wird. Da änderten auch all die netten Menschen nichts dran, die an diesem Tage freundlich Pläne verteilten, Führungen anboten oder musizierten. Es blieb bei meinem Unbehagen.

Und natürlich sah ich dann überall Symptome, die meine Vermutung untermauerten. So zum Beispiel im östlichen Lichthof, den so genannten Schlüterhof. Dort fand sich eines dieser typischen, riesiggroßen Architektur-Plakate, das einen Eindruck davon vermitteln sollte, wie der Hof nach der Fertigstellung aussieht. Zu sehen war eine enorme Freifläche, die von halb barocken und halb modernen Fassaden weniger eingegrenzt als hervorgehoben wurde. Einige winzige auf dem Plakat zu sehende Menschen betonten den Eindruck noch, als habe der Innenhof mindestens die Maße des Petersplatzes in Rom. Für einen Realitätsabgleich brauchte man hingegen kaum den Kopf heben. Bereits im Rohzustand war unübersehbar, mit welchen billigen Weitwinkel-Immobilienmakler-Tricks hier die Illusion von Größe und Bedeutung erzeugt werden sollte. Und genauso wird es sich mit dem ganzen Schloss (oder Humboldtforum) verhalten. Nun ließe sich natürlich einwenden, dass dies beim Palast der Republik nicht anders war. Auch mit diesem wurde dem Volk nur etwas vorgegaukelt. Das mag stimmen, aber rechtfertigt das den Abriss und Neubau?

Wieder zurückgekommen auf das ganze Thema bin ich aktuell durch den lesenswerten, englischsprachigen Artikel „Palast der Republik“ von Beata Gontarczyk-Krampe, der gerade bei Slowtravel veröffentlich wurde. Unter den zahlreichen Fotos, die den Text illustrieren, war auch eines aus der Zwischennutzungsphase 2004. Damals konnte man den Keller des teils gefluteten Palasts mit bunten Schlauchbooten durchpaddeln. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie glaube ich, dass dies irgendwann auch beim Stadtschloss/Humboldtforum möglich sein wird.

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