Nante Berlin

Berliner Geschichtenwegweiser

Der Berliner: mitunter nachdrücklich grob

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Was macht den Berliner aus? Ein Berlin-Reiseführer widmete sich schon 1826 dieser Frage, und manche Feststellungen sind noch heute aktuell.

Touri-Ausrüstung 1826? Rumpfs Reiseführer und alte Berlin-Karte

Touri-Ausrüstung um 1826? Rumpfs Reiseführer und alte Berlin-Karte

Berlin und die Touristen – eine ewige Geschichte. Aber was ist eigentlich das Wesen der echten Berliner? Johann Daniel Friedrich Rumpf ging bereits 1826 dieser Frage nach und zwar in seinem Reiseführer mit dem etwas sperrigen Titel: „Der Fremdenführer oder wie kann der Fremde in der kürzesten Zeit, alle Merkwürdigkeiten in Berlin, Potsdam, Charlottenburg und deren Umgebungen sehen und kennenlernen.“

„Obgleich dem Berliner die in den großen Städten gewöhnliche Urbanität eigen ist, so hat sie doch bei ihm den angeborenen Ausdruck der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit nicht völlig ausgelöscht. So wie er freimütig und ohne viel Komplimente im gewöhnlichen Umgange ist, so wird er, wenn es zum Wortwechsel oder Handgemenge kommt, nachdrücklich grob. Friedfertig und still in seinem Betragen, wird er hitzig und selbst wütend, wenn er gereizt wird, oder seine Ehre für beleidigt hält. Er ist ein fleißiger, arbeitsamer Bürger, der selbst oft Sonn- und Feiertage bei der Arbeit zubringt und seine Erholungen sind weder kostspielig, noch häufig. Eine Wanderung mit der Familie zu Fuße oder auf einem Kaleschwagen nach einem nahe gelegenen Dorfe, wohin einige Lebensmittel mitgenommen werden und wo in ein Bauernhaus eingekehrt wird, sind seine liebsten Sommervergnügungen.

Aufklärung, Geisteskultur und eine natürliche, gesunde Beurteilungskraft findet man in allen Klassen, und es fehlt den Berlinern weder an Feinheit, noch Verschlagenheit. Selbst der gemeine Mann spricht und urteilt gern selbst über alle Gegenstände. Er ist enthusiastisch für sein Vaterland eingenommen, und stolz darauf, ein Preuße zu sein.

Der Vorwurf der Irreligion, der den Berlinern im Auslande gemacht wird, ist nichts weniger als gegründetet; eigentlich ist der Berliner kein Scheinheiliger und Heuchler, und setzt größeren Wert auf eine gute Handlung, als auf fleißiges Besuchen der Kirchen. Indessen vernachlässigt er auch den Religions-Unterricht nicht.“

aus Johann Daniel Friedrich Rumpf: Der Fremdenführer (Nachdruck 1990), S.86

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