Nante Berlin

Berliner Geschichtenwegweiser

Branntwein gewöhnlich erst zum zweiten Frühstück

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Was aßen und tranken die Berliner vor 200 Jahren? Johann Daniel Friedrich Rumpfs alter Reiseführer gibt auch dazu Auskunft.

Touri-Ausrüstung 1826? Rumpfs Reiseführer und alte Berlin-Karte

Touri-Ausrüstung 1826? Rumpfs Reiseführer und alte Berlin-Karte

Reiseführer vergangener Zeiten lieferten immer auch spannende (und heute oft amüsant wirkende) Informationen sozio-kultureller Art. Da steht auch Johann Daniel Friedrich Rumpf mit seinem „Der Fremdenführer oder wie kann der Fremde in der kürzesten Zeit, alle Merkwürdigkeiten in Berlin, Potsdam, Charlottenburg und deren Umgebungen sehen und kennenlernen“ aus dem Jahre 1826 nicht hinten an. Zu den Themen Kleidung, Wohnen und Ernährung der Berliner Ureinwohner schreibt er:

„Der schlichte Bürger trägt, wie vor 50 Jahren, einen blauen Überrock, Stiefel, wohnt, wenn er auch eigenes Haus besitzt, mit seiner Familien in einem Zimmer, und hat höchstens eine sogenannte Putzstube mit urelterlichen Spinden und Spiegeln. Sein Mittagstisch ist mit Gemüse und Fleisch, an Sonn- und Feiertagen mit einem Braten besetzt. Kaffee und Bier sind allgemeines Getränk. Wein trinkt er außerhalb dem Hause, etwa des Sonntags Vormittags. Branntwein dient gewöhnlich beim zweiten Frühstück, wird aber von der unteren Volksklasse zu allen Tageszeiten und ungeheurer Menge genossen. Des Abends besucht der Bürger eine von den zahllosen Tabagien, worin er seines Gleichen findet, eine oder zwei Flaschen Bier, einen Schnaps Kümmel trinkt, Tabak raucht, und sich über Zeitungs-Nachrichten oder andere Neuigkeiten, die zu seinem Kreise gehören, unterhält oder unterhalten lässt.“

aus Johann Daniel Friedrich Rumpf: Der Fremdenführer (Nachdruck 1990), S.81

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