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Berliner Geschichtenwegweiser

Angela Merkels Traum aus dem Jahr 1986

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Angela Merkel gilt als schwer portraitierbar, da sie sich allen Festlegungen entzieht. George Packer hat für den New Yorker einen lohnenswerten Versuch gestartet.

Immer wenn ich über Angela Merkel nachdenke, kommt mir Brechts Moritat von Mackie Messer in den Sinn, die ich dann leicht abgewandelt vor mich hin summe: „Und der Haifisch, der hat Zähne / und die trägt er im Gesicht / und die Merkel hat ein Messer, / doch das Messer sieht man nicht.“ Das meine ich jetzt gar nicht nur despektierlich, denn immerhin hat uns „Merkels Messer“ auch vor einer größeren Bedeutung von so Leuten wie Roland Koch bewahrt. Inzwischen wird die Bundeskanzlerin wohl kaum noch von ihren politischen Gegnern unterschätzt, aber ihr typisches Understatement hat sie beibehalten, was dazu führt, dass man sich eigentlich überhaupt kein Bild von ihr machen kann. George Packer hat es für den New Yorker trotzdem versucht und mit „The quiet German“ ein gelungenes Portrait abgeliefert. Allerdings braucht es schon zwei Stunden Zeit und gute Englischkenntnisse, um den umfangreichen Text zu genießen. Dafür wird man aber mit klugen Einschätzungen und ungewohnten Details aus dem Leben Angela Merkels belohnt. So zum Beispiel einer Anekdote aus dem Jahr 1986, als die damalige Chemikerin für einige Tage nach Hamburg reisen durfte. Einem Kollegen zufolge, fasste sie nach der Rückkehr den Plan, möglichst viel zu sparen, um 2014, wenn sie 60 Jahre alt würde (und damit in der DDR das Alter der Reisefreiheit erlangte), nach Kalifornien reisen zu können. Ob sie das 2014 wohl geschafft hat?

2 Kommentare

  1. Tja, dieser englische Bericht ist sehr aufschlussreich. So wissen wir nun, wohin die Reise geht. Eindeutig sollten wir das wissen, denn das wäre für uns sehr wichtig, da hilfreich. Mehr will ich zu diesem Kapitel, das eines nahen Tages die Gescchichtsbücher ins Dunkelgraue bis Schwarze hüllen wird, gar nicht mehr schreiben.

  2. Tja, dieser englische Bericht ist sehr aufschlussreich. So wissen wir nun, wohin die Reise geht. Eindeutig sollten wir das wissen, denn das wäre für uns sehr wichtig, da hilfreich. Wir haben es hier mit einem absoluten Machtmenschen zu tun, dessen Gefühlsebene sehr niederschwellig zu sein scheint. Dafür ist der strategisch ausgerichtete Verstand, das Kalkül, über alle Maßen betont. Unter diesem Aspekt gesehen ist das kürzliche Verhalten gegenüber Putin in einem besonderen Licht zu sehen. Merkel weiß ganz genau, wen sie so behandeln und so düster anblicken kann. Offensichtlich hat sie viele Unterstützer hinter sich. Mehr will ich zu diesem Kapitel, das eines nahen Tages die Geschichtsbücher ins Dunkelgraue bis Schwarze hüllen wird, gar nicht mehr schreiben.

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